Deutschlands WM-Kader nimmt Form an: Die Gewinner und Verlierer der letzten Testspiele

Mit der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 nur noch knapp zwei Monate entfernt, hat Julian Nagelsmanns DFB-Team die Mรคrz-Lรคnderspielpause mit zwei hart erkรคmpften Siegen gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) abgeschlossen. Diese Testspiele boten die letzte groรŸe Chance fรผr Randspieler, sich fรผr den finalen 26-Mann-Kader zu empfehlen. Wรคhrend das Gerรผst der Mannschaft weitgehend steht, haben einige Akteure ihre Chancen massiv gesteigert โ€“ andere haben Fragezeichen hinterlassen.

Die Spiele zeigten sowohl offensive Klasse als auch defensive Anfรคlligkeiten. Deutschland bewies Comeback-Qualitรคten, offenbarte aber auch Schwรคchen, die im Sommerturnier in Nordamerika teuer zu stehen kommen kรถnnten.

 

Die Aufsteiger, die den Trainer รผberzeugt haben

Florian Wirtz lieferte eine der herausragendsten Einzelvorstellungen der Lรคnderspielpause. Der 22-jรคhrige Leverkusen/Liverpool-Star erzielte zwei Tore und gab zwei Assists beim spektakulรคren Sieg gegen die Schweiz in Basel. Auch gegen Ghana bestimmte er das Tempo, obwohl Jamal Musiala fehlte. Seine Ballsicherheit und die Fรคhigkeit, aus dem Nichts Gefahr zu erzeugen, haben seinen Status als gesetzter Stammspieler und potenzieller Matchwinner unterstrichen.

Kai Havertz hat alle Fitnesszweifel eindrucksvoll ausgerรคumt. Nach einer lรคngeren Verletzungspause, die seinen Stammplatz gefรคhrdet hatte, harmonierte der inzwischen fast 60-fache Nationalspieler gegen die Schweiz hervorragend und verwandelte gegen Ghana sicher einen Elfmeter. Seine frische Energie und seine Prรคsenz auf dem Platz deuten darauf hin, dass er sich seinen Platz in Nagelsmanns Stammelf zurรผckerobert hat.

Eine der grรถรŸten รœberraschungen war der 18-jรคhrige Lennart Karl. Der Bayern-Talent feierte bei seinem ersten Senioren-Aufgebot ein starkes Debรผt. Zunรคchst als Einwechselspieler in Basel, dann mit einer Explosivleistung in Stuttgart. Karl zeigte beeindruckendes Pressing, mutiges Dribbling und die Bereitschaft, Gegner anzugreifen โ€“ Eigenschaften, die dem deutschen Spiel in letzter Zeit oft gefehlt haben. Auch wenn ihm der Krรถnungstreffer verwehrt blieb, hat seine Dynamik ihm wohl ein Ticket zur WM gesichert.

 

Auf der linken Abwehrseite setzte Nathaniel Brown seinen rasanten Aufstieg fort. Der 22-jรคhrige Frankfurter Linksverteidiger, der erst im Oktober 2025 debรผtiert hatte, zeigte gegen das defensive Ghana eine souverรคne Leistung รผber 60 Minuten. In einer hart umkรคmpften Position hat er sich mit seiner soliden Vorstellung weiter fรผr den WM-Kader empfohlen โ€“ besonders da David Raum den Linksverteidiger-Posten noch nicht endgรผltig fรผr sich beansprucht hat.

Die Spieler, die ihre Chance nicht nutzen konnten

Nicht jeder konnte รผberzeugen. Angelo Stiller vom VfB Stuttgart kam nach Verletzungen als Nachrรผcker zum Einsatz und startete beide Spiele. Er haderte jedoch mit Ballverlusten und Pressing-Intensitรคt. Seine Unsicherheit beim Fรผhrungstreffer der Schweiz blieb Nagelsmann nicht verborgen. Pascal Grossโ€™ starke Einwechslung in Stuttgart hat Stiller wohl weiter nach hinten rutschen lassen. Die WM kรถnnte fรผr ihn einfach noch zu frรผh kommen.

Auch Nico Schlotterbeck zeigte eine durchwachsene Leistung. Der Dortmunder Innenverteidiger spielte beide Partien neben Jonathan Tah, wirkte gegen die Schweiz aber ungewรถhnlich unsicher im Spielaufbau und war an Fehlern beteiligt. Gegen Ghana stabilisierte er sich etwas, doch die Wackler kรถnnten Nagelsmann dazu bringen, die Hierarchie in der Innenverteidigung โ€“ inklusive der Degradierung von Antonio Rรผdiger auf die Bank โ€“ noch einmal zu รผberdenken.

 

Im Sturm brauchte Nick Woltemade nach einer schwierigen Zeit bei Newcastle dringend Selbstvertrauen. Nagelsmann gab dem 24-Jรคhrigen bewusst viele Minuten, fast 80 gegen Ghana. Dennoch vergab der groรŸgewachsene Stรผrmer klare Chancen โ€“ per Kopf in Basel und mit einem Lattentreffer in Stuttgart. Trotz seines kรถrperlichen Profils muss er bei seinem Klub nun wieder seine Abschluss-Sicherheit zurรผckgewinnen.

Was das fรผr den finalen Kader bedeutet

Nagelsmann stehen nun einige schwierige, aber auch reizvolle Entscheidungen bevor. Die Offensive um Wirtz und einen wiedererstarkten Havertz wirkt hochgefรคhrlich, die jungen Talente wie Karl bringen zusรคtzliche Spannung. Defensiv, besonders auf der linken Seite und im Spielaufbau, gibt es weiterhin Baustellen, die in den finalen Trainingslagern genau beobachtet werden mรผssen.

Deutschland geht mit berechtigtem Selbstvertrauen in das Turnier, doch die Testspiele haben auch gezeigt: Selbst etablierte Spieler mรผssen liefern โ€“ und Chancen kรถnnen sich sehr schnell verschieben.

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